Die Bundesregierung plant, Mining, Staking und Lending in Zukunft deutlich stärker zu besteuern. Jetzt ist der Input der deutschen Krypto-Community gefragt!
Die Regulierung von Kryptowährungen scheint derzeit ein Fokus-Thema des Bundesfinanzministeriums (BMF) zu sein. Nun hat das BMF einen Entwurf für die Besteuerung von Kryptowährungen veröffentlicht. Sollte dieser Entwurf zum Gesetz werden, würde das die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Krypto-Standorts Deutschland ernsthaft belasten.
Das @BMF_Bund hat einen Entwurf für die Besteuerung von #Kryptowährungen vorgelegt. Der Krypto-Handel dürfte in vielen Punkten teurer werden.https://t.co/SVVnmHua1W
— BTC-ECHO (@btcecho) June 17, 2021
BTC Echo berichtet über den Entwurf des BMF
Was bisher geschah
Die Bundesregierung hat im Rahmen ihrer 2019 verkündeten Blockchain-Strategie im letzten Jahr mehrere Gesetzesänderungen angekündigt. Damit möchte der Gesetzgeber Rechtssicherheit für die Anwendung der Blockchain-Technologie schaffen und die Zukunftsfähigkeit Deutschlands als Technologiestandort festigen. Im Rahmen dieser Strategie hat der Bundestag zum Beispiel das Gesetz für elektronische Wertpapiere beschlossen.
Auch die Klärung von Steuerfragen ist für die Rechtssicherheit von Blockchain-Dienstleistern und Anleger zentral. Dazu hat das BMF nun einen lange erwarteten Entwurf veröffentlicht. Dieser Entwurf sieht insbesondere höhere Steuerlasten für das Mining, Staking und Lending vor.
Das @BMF_Bund
— Pekuna (@Pekuna_Steuer) June 29, 2021
hat vor kurzem einen Entwurf zum Thema Versteuerung von Kryptowährungen vorgelegt. Hier erklären wir ganz grob worum es hierbei geht. Für mehr Informationen empfehle ich unsere Infoveranstaltung am Donnerstag https://t.co/QOObNIKws2 pic.twitter.com/XBWrwpsPw9
Pekuna fast den Entwurf in wenigen Worten zusammen
Derzeit sind selbst Grundsatzfragen bei der Besteuerung ungeklärt. Zum Beispiel die Frage, ob Kryptowährungen als Wirtschaftsgut klassifiziert werden und damit überhaupt steuerpflichtig sind. Der Entwurf des BMF sieht nun vor, jede Kryptowährung, egal ob Payment oder Utility Token, als Wirtschaftsgut zu klassifizieren; damit unterlägen alle diese Assets der Steuerpflicht.
Auch die Besteuerung der durch das Krypto-Lending erhaltenen Zinsen war bislang nicht abschließend geklärt. Krypto-Sparer konnten bislang davon ausgehen, dass ihre Kryptowährungen nach einem Jahr Haltefrist steuerfrei waren, auch beim Lending. Der Entwurf des BMF möchte nun die Haltefrist auf 10 Jahre verlängern, falls Kryptowährungen als Einkommensquelle genutzt würden. Das ist zum Beispiel beim Staking und Lending der Fall.
Das BMF veröffentlichte kürzlich ein Schreiben zur ertragsteuerlichen Behandlung von virtuellen Währungen und Token. Bastian Liegmann und Klaus Himmer fassen die bedeutenden Inhalte für die Praxis im #FGSBlog zusammen. https://t.co/OtoBfZ5bPQ
— FlickGockeSchaumburg (@FGS_de) June 21, 2021
Die Steueranwälte Bastian Liegmann und Klaus Himmer fassen die Inhalte des Entwurfs auf Ihrem Blog zusammen
Reaktionen aus der Community
In der Krypto-Community stößt der Entwurf auf Kritik. Prinzipiell sind die Bemühungen des BMF, Steuerfragen zu klären und somit Rechtssicherheit zu schaffen zwar zu begrüßen.
Entwurf #BMF-Schreiben: Endlich mehr Klarheit bei der #Besteuerung von #Kryptowaehrungen! Verlängerung der #Haltefrist auf 10 Jahre! Wir haben die Infos im Blog:https://t.co/k5v9ps8a5N #CryptoNews #krypto #cryptocurrencies #Bitcoin @accointing @bitcoin2go
— WINHELLER Law Firm (@WINHELLER) June 17, 2021
Winheller Law Firm erklärt die wichtigsten Punkte des Entwurfs
Mit dem aktuellen Entwurf würde allerdings insbesondere das Mining, Staking und Lending in Deutschland im internationalen Vergleich wirtschaftlich unattraktiv. Mining, Staking und Lending sind jedoch für die weitere Entwicklung des Krypto-Marktes von elementarer Bedeutung, da sie die Liquidität und Funktionsfähigkeit des Ökosystems überhaupt erst ermöglichen. Durch die steuerliche Diskriminierung würde der noch jungen Industrie in Deutschland von vornherein ein internationaler Wettbewerbsnachteil zugemutet werden.
Der Steuerentwurf des Bundesfinanzministeriums sorgt im gesamten Krypto-Space für Empörung. Welche Eckpunkte der Szene schaden, erklärt Pekuna-Chef Werner Hoffmann.https://t.co/kCStlOpTMp
— Coingeeks (@coingeeks) June 29, 2021
Pekuna Chef Werner Hoffmann erklärt die negativen Seiten des Entwurfs
Das BMF hat einen aktuellen Entwurf zum Thema #Steuern auf #Bitcoin und Co. veröffentlicht!
— El Blocktrainer (@blocktrainer) June 22, 2021
Ob bzw, wo die Haltefrist auf 10 Jahre erhöht wird, erfährst du im Video!
Viel Spaß https://t.co/rlUM50qRLo
Blocktrainer erklärt alles wichtige zur Haltefrist
Der Ansatz des BMF würde außerdem vor allem Kleinanleger kriminalisieren, die im Gegensatz zu Unternehmen wenig Möglichkeiten zur Steuerreduzierung haben. Dabei sind es derzeit vorwiegend Kleinanleger, die sich im Bereich Mining und Staking engagieren. Ohne ihr Kapital wären diese zentralen Bestandteile des Krypto-Marktes heute kaum existent.
Der Entwurf hat viele überrascht, denn sein Inhalt wird der Blockchain-Strategie der Bundesregierung nicht gerecht. Eigentlich wollte sie damit die rechtlichen Grundlagen schaffen, um die Chance der Blockchain-Technologie zu nutzen und ihre Potenziale für die digitale Transformation zu mobilisieren. Allein der Staking-Markt könnte in den nächsten Jahren um ein Vielfaches wachsen. Die US-amerikanische Bank J.P. Morgan schätzt die Größe des Staking-Marktes heute auf neun Milliarden US-Dollar und hält einen Anstieg auf 40 Milliarden US-Dollar bis 2025 für möglich.
"We estimate that staking is currently a $9bn business for the crypto economy, will grow to $20bn following the Ethereum merge, and could get to $40bn by 2025 should proof-of-work grow to the dominant protocol." - J.P. Morgan Equity Research pic.twitter.com/StxNGT6EF0
— Alex Krüger (@krugermacro) July 2, 2021
Staking Markteinschätzung der US Bank J.P. Morgen
Der aktuelle Entwurf würde in der Praxis dazu führen, dass Deutschland bei diesem Zukunftsmarkt außen vor wäre. Genauso auch beim Lending und Mining. Die für das Blockchain-Ökosystem fundamentalen Infrastrukturprozesse würden aus Deutschland abwandern. Der Effekt der geplanten Besteuerung wäre damit konträr zum ursprünglichen Sinn der Blockchain-Strategie.
Die Blockchain ist für die Bundesregierung nur ein Marketinggag. Ihre Strategie wurde mit viel TamTam angekündigt, aber am Ende der Legislaturperiode ist nur heiße Luft übrig geblieben. https://t.co/ALbBwhKl45
— Frank Schäffler (@f_schaeffler) June 22, 2021
FDP Politiker Frank Schäffler zieht Bilanz zur Blockchain-Strategie der Bundesregierung
Auch aus dem europäischen Ausland wurde der Entwurf des BMF kritisch kommentiert. Deutschland hat in Europa bei Steuerfragen eine Vorreiterrolle. Vor allem Beobachter aus Österreich sorgen sich, dass die dortige Regierung dem BMF folgen könnte. Im schlimmsten Fall könnten deutsche Regelungen Einzug in das EU-Recht finden und somit den gesamten Wirtschaftsraum hinsichtlich Blockchain-Technologie ins Abseits stellen. Unter den führenden Industrienationen war Deutschland bisher ausgesprochen offen gegenüber der Technologie eingestellt. Die geplante Besteuerung würde einem Kurswechsel gleichkommen.
Wie geht es jetzt weiter?
Das Schreiben des BMF enthält bislang „nur“ einen Entwurf. Erfahrungsgemäß werden solche Entwürfe unverändert in die Praxis übernommen, wenn es keine Einsprüche gibt. Deshalb kommt es jetzt auf die Mitwirkung jedes Einzelnen an!
Am 01. Juli haben wir an einem Community-Zoom-Call des Blockchain Bundesverband Bundesblock teilgenommen, um den Entwurf zu besprechen. Der Bundesblock bereitet nun eine Stellungnahme vor. Ziel ist es, Definitionen und Sachverhalte zu klären und Alternativvorschläge zu erarbeiten. Die gesamte Blockchain Community ist dazu eingeladen, an der Stellungnahme unter diesem Link mitzuwirken. Bitte bringt eure Kommentare bis spätestens am 11. Juli ein.
Wir werden auf unseren Twitter und LinkedIn Kanälen regelmäßig über den Fortschritt informieren. Bringt euch gerne ein und diskutiert mit. Es steht viel auf dem Spiel, denn es geht um eure finanzielle Souveränität. Krypto hat keine Lobby und keine Institutionen. Deshalb müssen wir Nutzer das Finanzsystem der Zukunft gestalten.